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Explodierende Gaspreise

Die Gaspreise für Privatkunden sind nach einer Erhebung von Eurostat in den letzten zehn Jahren rasant angestiegen. Für private Verbraucher sind die Gaspreise in diesem Zeitraum um 99,6 Prozent angestiegen. Günstiges Erdgas, das lange Zeit als billigste Form des Heizens galt und entsprechend angepriesen wurde, gibt es heute kaum noch. Diese Entwicklung war bei der offiziellen Liberalisierung des Gasmarktes vor zehn Jahren nicht abzusehen – durch Privatisierung und schärferen Wettbewerb hoffte man auf dauerhaft niedrige oder sogar sinkende Gaspreise.

Doch dafür waren die Liberalisierungsbemühungen nicht stark genug. Die Politik verließ sich auf die Selbstregulierung der bestehenden Monopolversorger, welche an einem einfachen und schnellen Netzzugang ihrer Konkurrenten jedoch kein Interesse hatten. So wurden Marktgebiete abgeschottet und bürokratische Hürden für jede Art von Wettbewerb errichtet. Die Gaspreise begannen immer weiter zu steigen.

Es sollte bis zum Jahr 2006 dauern, bis Privatkunden die Möglichkeit bekamen, sich für einen alternativen Gasanbieter zu entscheiden. Die Anbieterlandschaft ist jedoch nach wie vor nicht besonders vielfältig, so dass viele Verbraucher derzeit nur zwischen zwei Anbietern auswählen können. Die Gaspreise der alternativen Versorger sind zwar häufig günstiger als die der regionalen Versorger, das Preisniveau ist im Vergleich zur Vergangenheit jedoch nach wie vor hoch.

Die Gasversorger berufen sich bei den jährlichen Erhöhungen der Gaspreise stets auf international gestiegene Beschaffungspreise und die so genannte Ölpreisbindung, nach der sich die Gaspreise an den Rohölpreisen orientieren. Die Ölpreisbindung ist kein Gesetz oder ein internationaler politischer Vertrag, sondern eine brancheninterne Vereinbarung der Gasproduzenten, -importeuren und -versorgern. Internationale Gashändler wie aus Rußland, Norwegen und den Niederlanden halten an dieser Preisformel fest, obwohl die ursprünglichen Gründe für ihre Existenz – die Verhinderung einer Konkurrenzsituation zwischen den Rohstoffen Öl und Erdgas - nicht mehr gegeben sind.

Was die Gasversorger gerne verschweigen, ist die Tatsache, dass auf der langen Handelroute von den Erdgasproduzenten zu den Verbrauchern eine ganze Reihe von verschiedenen Formeln für Gaspreise zum Zuge kommen, die nicht immer an die internationalen Rohölpreise gebunden sind. Für Privatkunden in Deutschland ist der Gaspreise beispielsweise an leichtes Heizöl gekoppelt, da dies als der potentielle Ausweichbrennstoff angesehen wird. Ob das hohe Niveau der Gaspreise aufgrund der Ölpreisbindung gerechtfertigt ist, oder ob die Ferngashändler und Endversorger diese als Argument für unberechtigte Gewinne verwenden, kann nur durch eine komplette Offenlegung der Kalkulationen dieser Versorger ermittelt werden, worum derzeit vor mehreren Gerichten gekämpft wird.

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